Ein Augenblick für immer – Das erste Buch der Lügenwahrheit


Es fällt mir überhaupt nicht leicht dieses Buch ehrlich zu bewerten. Einerseits ist es auf keinen Fall ein schlechtes Buch und ich wollte von Anfang an wirklich, dass es mir gefällt, andererseits kann ich auch nicht sagen, dass es das tatsächlich tut. Vielleicht waren meine Erwartungen daran zu hoch und ich ging voreingenommen an die Lektüre heran, vielleicht ist es einfach nicht mein Geschmack, aber es ist eindeutig, dass ich nicht vollends begeistert bin.


 

In einem einzigen Augenblick mit klopfendem Herzen gefunden sind die Blauen und die Grünen in ewigem Fluche gebunden



June glaubt nicht an die alten Legenden des sagenumwobenen Cornwall, als sie beschließt, ihr Abschlussjahr bei ihrem Onkel in England zu verbringen. Allerdings stößt sie vor Ort nicht nur auf ein prächtiges Herrenhaus voller Geheimnisse, sondern auch auf die ungleichen Brüder Blake und Preston, die eine magische Anziehung auf sie ausüben. Doch die beiden scheinen ihr etwas zu verschweigen – und während Junes verbotene Gefühle für die Zwillinge immer stärker werden, ziehen rätselhafte Ereignisse sie unaufhaltsam in ihren Bann. Bis ein einziger Augenblick alles verändert und June merkt, dass eine uralte Gabe in ihr erwacht …


 


Ja, die Gabe erwacht in ihr. Und ja, June merkt es. Doch das war es schon fast mit dem Fantasy-Teil der Geschichte. Natürlich muss beim Kauf berücksichtigt werden, dass es sich hierbei um ein Romantasy-Buch handelt und da die romantischen Beziehungen der Protagonistin fast immer im Vordergrund stehen. Aber der Mangel an Fantasy war gar nicht mein Hauptproblem. Es fehlte mir schlicht und einfach die Handlung. June kommt in England an, June lernt die Cousins kennen, June bekommt ihre Gabe. Was jetzt? Irgendetwas muss doch noch kommen, ein Höhepunkt, ein Plottwist, irgendetwas, dachte ich mir und blieb bis zur letzten Seite dran. Jedoch kam tatsächlich fast nichts mehr. Ich würde nicht sagen, dass der Roman dadurch langweilig wurde, denn schliesslich wartete ich die ganze Zeit noch gespannt auf einen grossen Knall. Nachdem ich das Buch aber beendet, geschlossen und zur Seite gelegt hatte, führte dieser fehlende Höhepunkt zu einer gewissen Enttäuschung.


Apropos Enttäuschung: Die drei Hauptcharaktere, das heisst, die Cousins Blake und Preston und June selbst werden nur oberflächlich abgehandelt – alle Klischees inklusive - und man baut gar keine Verbindung zu ihnen auf. Entweder das oder man ist vollends verwirrt und überrascht, dass so eine grosse Menge an Gegenteilen und Widersprüchen überhaupt in eine einzige Person passt. Dagegen machen sich die Nebencharaktere schon um einiges besser: In Lilly und Grayson findet June so gar nicht langweilige Freunde an ihrer neuen Schule. Diese beiden und noch einige andere Persönlichkeiten bringen dringend benötigten frischen Wind in den Roman.


Wobei sich meine Meinung gleichermassen spaltet ist der Schreibstil. Abgesehen von den zahlreichen (sehr zahlreichen!) Wiederholungen von einzelnen Worten sowie ganzen Gedankengängen, gibt es nicht so viel daran auszusetzen. Doch dadurch, dass man gefühlt auf jeder zweiten Seite von den „strahlend blauen Augen“ oder dem „betörenden Geruch von Blake“ verfolgt wird, wird der Roman künstlich in die Länge gezogen und es zieht meiner Meinung nach den wirklich guten und bildhaften Schreibtstil stark herunter (und unter uns – einige dieser Ausdrücke sind echt kitschig).



Ebendieser Schreibstil führt auf der anderen Seite aber auch zu einem positiven Aspekt des Buches: zu der lebendigen Beschreibung der Umgebung. Ein Setting in Cornwall kann ja fast nur Gutes versprechen und dieses Versprechen haben die Autorinnen tatsächlich eingehalten. Es ist wirklich wundervoll. Man kommt bereits auf den ersten Seiten richtig ins Schwärmen und hier liegt es (nicht wie sonst im Romantasy-Genre) einmal nicht an heissen Protagonisten. Die geschichtlichen Fakten scheinen mir ebenfalls sehr gut recherchiert zu sein und werden elegant in die Geschichte integriert.


Die Grundidee des Romans gefällt mir äusserst gut. Sie ist eine Neuauflage des Erkennens von Wahrheit und Lüge, die ich so noch nicht gesehen habe. Und diese Grundidee ist neben dem Cover das, was mich dazu gebracht, hat das Buch anzufangen und bis zum Ende zu lesen, weil beides wirklich fantastisch ist wie auch bei den anderen Büchern dieser Autorinnen. Dies ist der Grund, wieso ich Rose Snow vermutlich noch eine Chance geben werde.

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